ich schreibe Ihnen diese Worte zum Abschied. Die Hunde sprangen und bellten, als Sie vor zwei Jahren am 2. September Ihren prüfenden Blick auf die Erdbehafteten lenkten. Sei ich auch sturr, mit Ring und Hörnern besetzt und geboren, als eine unberührte Frau unter dem Himmel im Osten stand; unter Ihren Argusaugen geriet ich, die zweifach Bodenständige, ins Schwanken.
Mir scheint, es waren Ihre Ringe, die mir meine Grenzen wiesen. Wie auch Sie, den ich in so weiter Ferne nie werde greifen können, habe ich so manchen unter Ihren Blicken nie erreicht. Und so, wie Sie jetzt von dannen ziehen und ich nichts anderes kann, als Sie gehen zu lassen, so habe ich vor Ihren Spiegeln das Loslassen üben müssen. Viel mehr noch, was gingen die Spiegel zu Bruch und nichts blieb mir, ausser zu begutachten diese Scherbenhaufen und zu suchen nach dem Stück reflektierenden Glases, in dem ich - gross genug - meine lachenden Lippen noch erkennen konnte.
Und doch, da ist kein Groll, kein Vorwurf. Waren Sie wenn auch ein strenger, so doch ein treuer Begleiter. Durch Ihre Weisung erkannte ich meine Fehler, und auch dass nicht alles, was schimmert, golden ist. Sie waren es auch, der mich anwies, den Grenzen zu trotzen und meine Kopfkrone gen Himmel zu richten; auch unter Trennung und Enttäuschung auszuharren. Vielleicht sind Sie zum Lehrenden berufen, weil Sie nicht nur einen sondern wohl über 60 Monde als Trabanten an Ihrem Himmel nennen. Wer wenn nicht Sie ist der Hüter der Weisheit, dass alles immer im Fluss ist und dass jede Veränderung nur in uns selbst ihren Ursprung nehmen kann.
Und so brach ich wohl ein unter Ihrer Prüfung. Und doch, die Hand, die Sie mir entgegenstreckten, - sie beschwor mein Wiederaufstehen - ich habe Sie gern ergriffen. So gingen wir Hand in Hand. Ich stolperte über die Steine, zu denen Sie mich führten, und während ich fiel, waren Sie mir auch schon Auftrieb, um meinen Kurs zu ändern und meinen Rücken zu stärken, mich zu Geduld zu ermahnen. Ja, so ging es eine ganze, lange Weile - stürzen, fallen, vorwärts streben. Nur diese Erfahrung des Aufrichtens in uns selbst ist das, was uns bleiben kann - für immer.
Und nun, zuletzt, hier und jetzt, ereilt uns der Augenblick unseres Abschieds. Ich gebe es Ihnen gegenüber offen zu: ich atme auf. Aber Ihre Lehre ist an mir nicht umsonst gewesen. In tiefer Dankbarkeit und Hingabe werde ich das Kleinod, das Sie mir in Körper, Geist und Seele überliessen, in meine Zukunft tragen.
Es verbleibt Ihnen zutiefst ergeben,
Ihre j.
October 29, 2009
Subscribe to:
Post Comments (Atom)

No comments:
Post a Comment