October 18, 2009

"Los. Lauf. Wir müssen uns beeilen." Adam treibt mich an. Sind wir etwa schon zu spät? Ich keuche bergauf. Meine Füsse sind schwer und mit jedem Schritt hinauf - über Geröll, Sand und Steine - fühlen sie sich noch schwerer an. Den ganzen Tag haben sie den Rucksack, das Essen und mich durch das Gebirge getragen und noch immer kommen sie nicht zur Ruhe. Ich stolpere hier über die Baumwurzel und da über den Ast. Ich bin ausser Atem und wir sind auf dem Weg ins Kino. Der Eintritt ist frei.

Wir suchen uns einen Platz, setzen uns. Die Vorstellung hat zum Glück noch nicht angefangen. Jetzt heisst es warten. Wir sind still. Jemand hat Sterne an die Decke gemalt und sie funkeln. Ich kann sogar Sternbilder erkennen. Und sind das Satelliten oder Flugzeuge, die da ganz weit oben fliegen? Was sich der Mensch alles ausdenkt. Ich meditiere Vipassana mit offenen Augen, spüre wie mein Körper mehr und mehr auskühlt. Hier bin ich also, ausgestreckt. Spüre die Kälte des Granits unter mir. Und kann kaum erwarten, dass es losgeht. Bin kleines ungeduldiges Kind; ja, so aufgeregt, dass ich mich nicht zu reden traue.

Oh, dieser Moment dauert ewig. Ich glaube, der Film fängt an, aber immer ist es nur Vorspann. Immer weiss ich nicht genau, wohin schauen. Immer ist es noch nicht so weit. Doch da, mir scheint, der Vorhang lüftet sich. Ist da nicht Licht? Schein kriecht auf uns zu. Unsere Augen werden weiter. Langsam senkt sich das Licht auf uns, die Schatten um uns werden kleiner, rasen auf uns zu, um uns herum an den Wänden hinab. Das ist der Anfang. So beginnt es. Jetzt gleich, jeden Moment. In diesem Augenblick. Da kommt er. Dort! kündigt das Licht sich an, dort! tritt er zu uns hervor.

Käsegolden. Der Mond geht auf. Und ich halte den Atem an. Leuchtende Augen. Und glitzernd unter uns der See.

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