October 9, 2009

Echo Valley & Lake Merced, 9/6





"Ich sitze gerade an einem reissenden Strom, der eine Bergformation hinunterrast. Es rauscht und rauscht und rauscht. Nach all den Tagen mit keiner oder Katzenwäsche möchte ich heute nichts sehnlicher, als mich sofort nakedei mit Seife im Fluss oder im See zu baden. Auf dem Weg hierher war mein Kopf damit beschäftigt, ein tolles Reinigungsszenario auszumalen. Meine Gedanken kreisen selten um etwas, das sich ausserhalb des Yosemite Nationalparks befindet.

Eher bin ich damit beschäftigt, eine gute Toilette ausfindig zu machen, effizient ein temporäres Zuhause auf- und abzubauen, die Landschaft zu geniessen, über Essen, Vorräte und deren Aufbewahrung nachzugrübeln. Ich liebe all diese Freiheiten, die ich hier in der Wildnis habe. Ich sehe nur Fussspuren, die davon zeugen, dass hier auch andere Menschen sind und waren. Gestern Abend habe ich unten im Tal das Licht einer Taschenlampe leuchten sehen.

Ich werde immer dreckiger und geniesse es. Weil das Waschen macht dann umso mehr Freude. Wenn ich mir ein Örtchen zum Erleichtern suche, kann es schattig oder sonnig sein, je nachdem ob mir zur Tageszeit gerade warm oder kalt ist, und ich kann mir einen schönen Ausblick wählen. Es sind diese kleinen Dinge, die plötzlich zählen und besonders werden.

Ich bewundere es, wie sich beständig alles ändert: die Landschaft, die Vegetation, das Bild von Pflanzen, Wald, Sonne, Berg und Stein. Ich habe immer Angst, dass ich zu wenig schaue und etwas verpassen könnte.

Wenn ich die Zeit anhalten könnte. Ich bin so glücklich, fröhlich erstaunt, wie das Ausgehen unseres Gases mich nicht erschüttert. Keine Panik oder Verzweiflung; wir werden jetzt einfach immer Feuer machen ...

Meine Hände riechen so sehr nach Feuer. Und wir sind hier ganz allein. Seit dem frühen Nachmittag sind wir keiner Menschenseele mehr begegnet. Nur noch Fussabdrücke, Wegweiser und Entfernungsschilder, ein altes Camp, und hier & da Müll. Wäre ich öfter in der Natur, könnte ich mich vielleicht auch daran gewöhnen, hier ganz allein unterwegs zu sein. Aber dann wieder sage ich mir, dass viele Frauen nicht einmal so weit kommen wie ich es jetzt bin. Wir begegnen hier fast nur Männern unterwegs.

Ich frage mich, was möglich wäre. Wie lange könnte man zu zweit in die Wildnis gehen? Wieviel Essen könnte man packen und noch tragen? Wie lange könnte man durchhalten? Wenn man Fische fangen würde, jagen, und Beeren sammeln? Ich könnte mehr über Pflanzen lernen, um essbare Kräuter und Wurzeln zu finden. Man könnte ein kleines Beet anlegen, in ein paar Monaten wiederkommen und von den Erträgen leben. Hm, aber dann bräuchte man auch einen Zaun, ... und Bewässerung. Da müsste man dann immer hier sein. Also, eigentlich bräuchte man ein kleines Haus. Da wären dann Ziegen, Hühner, ein Muli für die Lasten gut. Für die Eier und für Milch. Dann könnte man sogar Käse machen! ... "




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