[In der zweiten Augusthälfte habe ich an einem Vipassana-Kurs teilgenommen - 10 Tage Stille. Dies ist ein Versuch der Erinnerung.]
Sitzen. Ich sitze, ich sitze, ich sitze. Auf dem Boden. Auf dem Kissen, auf der Decke, auf drei Kissen, an das Bett gelehnt, an die Wand gelehnt, auf der Gebetsbank, in mich verschränkt, in mich gekehrt, Kopf und Brust immer aufrecht. Ich sitze, bis es schmerzt. Inmitten der anderen. Mit den beiden anderen jungen Frauen in unserem Zimmer. Die Beine übereinander gekreuzt. Knieend. Neue Positionen, immer wieder neue Sitzpositionen, die Beine umpositionierend. Die Mitte finden. Den Punkt finden, an dem das Sitzen stundenlang erträglich ist. Sitzen, sitzen, sitzen, stundenweise, 11 Stunden jeden Tag, zehn Tage lang.
Sitzen. Ich sitze, ich sitze, ich sitze. Auf dem Boden. Auf dem Kissen, auf der Decke, auf drei Kissen, an das Bett gelehnt, an die Wand gelehnt, auf der Gebetsbank, in mich verschränkt, in mich gekehrt, Kopf und Brust immer aufrecht. Ich sitze, bis es schmerzt. Inmitten der anderen. Mit den beiden anderen jungen Frauen in unserem Zimmer. Die Beine übereinander gekreuzt. Knieend. Neue Positionen, immer wieder neue Sitzpositionen, die Beine umpositionierend. Die Mitte finden. Den Punkt finden, an dem das Sitzen stundenlang erträglich ist. Sitzen, sitzen, sitzen, stundenweise, 11 Stunden jeden Tag, zehn Tage lang.
Sehen, nicht sehen oder nur halb. Die Augen im Meditieren immer geschlossen, das Sehen nach innen gekehrt. Mein Körper entfaltet sich vor dem inneren Auge. Wenn ich nicht meditiere, wandern meine Augen und senken sich gen Boden. Ich gleite durch eine Welt auf Brusthöhe. Ich entweiche dem Augenkontakt mit meinen Mitmenschen, schaue immer weg, nach unten, zur Seite, irgendwohin auf Bauchhöhe, weiche aus. Sie sehen, wie sie isst, läuft, meditiert. Die Sterne am Abend und um halb fünf Uhr morgens, die Milchstrasse, das Wandern der Lichter und Taschenlampen durch die dunkle Nacht, mein Schatten von einem aufgehenden Mond, der jeden Tag voller wird, den Hamster, wie er aus seinem Bau schaut, die Hirsche und Rehe, wie sie ruhig und gelassen am Wegrand grasen, das Spiel von Sonne und Schatten, die vielen burmesischen Frauen, das gute Essen auf der Theke ...
Fühlen und beobachten. 'Mich', 'mein Ich', das Dreieck zwischen Mund und Nase, Empfindungen auf 'meinem' Körper, den Moment von Moment zu Moment zu Moment zu Moment zu Moment ..., den Fluss des Atems durch die Nase, hinein und hinaus, hinein und hinaus, hinein und hinaus, Blut, das in dem Körper pulsiert, den 'ich' behause, den knirschenden Sand unter den Füssen, die Sonnenstrahlen auf der Haut, den Reis zwischen den Zähnen, den Tag um vier Uhr früh, wenn die Glieder noch schwer sind, den Tag um halb zehn Uhr abends, wenn er in die Schlaf- und Traumwelt übergeht, wie mein Geist davon wandert, immer wieder davon wandert, hin zu Dingen, die längst vergangen sind, zu dir und zu dir und zu dir mit mir, unsere gemeinsame Vergangenheit, noch einmal gelebt, und seitdem noch nicht wieder, hin zu Dingen, die vor mir liegen und auch heute noch nicht angepackt werden können, wie ich meinen Geist zurückhole, hier zu mir, zu Atem, Körper, Haut und Sensationen, den Moment, den nächsten Moment, den neuen Moment, den Moment; das Wasser, wie es meinen Hals hinunterstürzt und kalt im Magen anlangt, der Körper beim Essen, der Körper beim Laufen, der Körper beim Duschen, das Wasser auf der Haut, der Schmerz im Nacken, im unteren und oberen Rücken, in den Knien, meinen Humor in unerwarteten Augenblicken, wie er mich überrascht, die Fantasie des Geistes, wenn ich innerlich still werden will, wie ich sie lieben lerne, wie mein Körper mehr und mehr steif wird, und der Schweiss perlt an mir ab, meine Hose streift um meine Beine, die Konsistenz des Essens auf meiner Zunge, wie ich jeden Tag dünner und schwächer werde.
Hören. Die Frösche im Teich quaken, meine Sitznachbarin atmet, jemand hustet, jemand schnäuzt sich, Goenka singt, alle singen 'Sadu', ich singe 'Sadu', Kissen und Decken rascheln, meine Nachbarin ändert ihre Sitzposition, den Gong, den Gong, den Gong, wieder den Gong, meinen Alarm um 4:10 AM, das Klappern des Geschirrs in der Küche, ein Blatt streicht den Boden entlang, vom Wind getrieben, die Eichhörnchen meckern, niemand spricht, meine Stimme, wenn ich mit meinem assistant teacher spreche, die Lieder in mir, der Besen über den Fliesen, meinen Atem, das Lachen am 10. Tag aus Haus 2, von den Frauen, während ich daherschreite auf dem Sandweg, ihre Stimme zum ersten Mal, den Hamster, wie er in seinem Bau raschelt, die Kojoten heulen, unser Lachen in der 10. Nacht um den Teich ...
Schmecken. Den besten halben Apfel meines Lebens.
Verzichten. Jeden Tag weniger essen, jeden Tag weniger schlafen, jeden Tag weniger Verlangen nach etwas, das hier nicht ist, (jeden Tag mehr Zufriedenheit mit dem, was hier ist), auf meine Zeit, auf Tagträume, auf Gedankengänge, auf Anerkennung, auf tägliche Gepflogenheiten, auf Wort, auf Sprache, auf Schreiben, auf Lesen, auf das, was ich als 'ich' kennengelernt habe. Werde neue Hingabe an das Hier und an das Jetzt. Komme dem Sein näher. Bin befreiter.
Spüren. Alles Glück dieser Welt ist in mir. Den Moment. Das, was 'ich' ist und nicht 'ich' ist. Stille ergreift Besitz von mir. Taubheit. Free flow. Ich werde freier Fluss. Empfindungen entstehen und vergehen. Alles ist Veränderung, alles ist im Fluss. Anicca. Wie wir Freunde werden. Mitgefühl und Liebe für jedes Lebewesen unter den Sternen. Der erste Schritt liegt hinter mir. Ein langer Weg liegt vor mir. Den Rückfahrtwind in mein Gesicht. Ich bin glücklich. Ich bin sehr glücklich. So viel Ruhe erfüllt mich. Urvertrauen steigt auf. Ist das Zen? Das ist Leben. Das ist Leben im Moment. Das ist Sein. Und die Welt bei der Rückkehr ist gewaltig. Das ist Sensation im Überfluss. Sensation overflow.

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