September 1, 2008

Längst angekommen und auf Achse in San Fran-cis-co

Ich wohne auf einem Hügel. Die ganze Stadt lebt bergauf bergab. In jedem Tal und auf jedem Hügel ist ein eigenes Klima heimisch. Mein Hügel wird vom Pazifik regiert. Hier haust der Nebel. Während Freunde aus Berkeley morgens im sonnigen Garten sitzen, hocke ich eingehüllt in einen dicken neuen Pulli und mit einer heissen Tasse Tee am heimeligen Küchentisch. Im Richmond District wird es abends schnell feucht und kalt, das kriecht in die Glieder. Und der Wind, der Wind... da lacht nur noch das Seglerherz.


Das Seglerherz. Es schreit. Unsere Yacht zischt unter Golden Gate entlang und mein Freudenschrei hallt unterm Stahlgerüst. Bis ich meinen Schrei begreife, verklingt er. Windsurfer ziehen fesche Kreise, grosse Wellen schlagen vom Ozean her. Es ist pompös, es ist berauschend, es ist Freiheit, es ist Naturgewalt.







Auch wandern wir. Dem Ufer nach, den Ozean vor uns liegend, in brauschender Randung.














Gibt es dann einen Morgen, an dem auch hier die Sonne lacht, und ich schwinge mich auf meinen Drahtesel, um zur Arbeit zu düsen, und dann ist Golden Gate frei von Wolke und Nebelschwaden, liegt frei als Tor in den San Francisco Bay auf, erstrahlt wie eh und je in internationalem Orange, dann ist ein besonderer Tag. Die Sonne lacht, die jule lacht. Und sie düst dahin, dankbar ans andere Ufer.






Dass ich jetzt seit zwei Wochen hier bin, fühlt sich an wie Ewigkeiten. 40th Ave und Balboa nenne ich mein Zuhause. Neun Blocks vom Strand, vom Meer - von Ocean Beach.


Manchmal muss ich mich kneifen, um erschrocken zu begreifen, dass ich jetzt in Kalifornien bin. Aber klar. Auf dem Weg hinab zum Wasser kommen mir barfüßige, neoprenbeschichtete Surfer entgegen. Das Board lässig unter den Arm geklemmt. Und die Strassen sind breit, und weit. Sie scheinen auch hinter dem Horizont nicht zu enden.

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