August 5, 2009

den spiegeln zum fraß

schnell hinausgeschlüpft, denn über der stadt geht ein tag zu ende. noch immer rattern cable cars die hügel rauf und runter, während im waschsalon jetzt andere darauf warten, dass sich die trommel fertig dreht. koffer haben auch sie mitgebracht. hier zu laufen ist so, als würde man an jeder strassenecke ein unerwartetes geschenk erhalten. der strassenfluss schwemmt dramatische ausblicke vor die füsse: strassenschluchten, häusertäler, hochfassaden, ferne hügel, brückenskelette und dazwischen wallen wolken und hängen nebelschwaden. und ab und an mischt die sonne sich ein.
wäre ich blind. an jeder strassenkreuzung könnte ich niederknien und mit der fingerspitze im zement über den eingekerbten strassennamen fahren. einsamkeit heisst die strasse, in der ich heute schreite. aber sie ist voll mit lachen, feinen bunten menschen, bauchigen bäumen und einem vielversprechen von glückseligkeit. einen cent müsste ich haben, um mir meinen anteil zu ersteigern. ich spare lieber für den waschsalon. mein magen ist leer und eiscreme mag ich heute nicht. auch die box habe ich zurückgelassen. habe sie sogar wieder verschlossen, damit ein nächster seine neugierde befriedigen kann. ich weiss nicht, was in dir wächst, oder was gerade stirbt. ein, zwei murmeln habe ich gesehen und, ich glaube, einen stern, aber seine farbe habe ich schon vergessen. ich sehne mich nach einem tiefen traum, wie damals, als draussen der wind in den bäumen rauschte und der mond auch so sehr voll war. ich bin verloren. alles hier riecht nach dir. und sie schaute zurück über die schulter, aber ihr blick trug nicht die augen des kindes. dich und deine box, sie, ich - hätte dich verschlingen können - mit haut und haar.



werfe mich dem spiegel zum fraß vor

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