Seht mit durch meine Augen. New York hat an die 150 Flora- und 600 Fauna-Arten. Dazu gehören ganz klar Fledermäuse, Ratten und Kakerlaken. Es ist erstaunlich, dass ich nun seit einem Monat zum Inventar dieses Megabaukastens gehöre. Unsere Arche schwimmt zwischen East und Hudson River und wir sind bunt bunt bunt gemischt. Ich wohne da, wo die Strassen keine Namen haben.
Ich laufe am Reservoir und begreife einmal mehr die Bedrängnis der lokalen Autoritäten, das Leben in einer so großen Wohn- und Lebensgemeinschaft zugunsten der Harmonie und des Wohlgefühles aller zu reglementieren: "Please run, jog or walk in counter-clockwise direction". Darum trinken wir hier auch nicht auf offener Strasse. Wir trennen unseren Müll so gut wir können und nehmen Rücksicht auf das Ruhe- und Rückzugsbefinden unserer Nachbarsmenschen. Wir schauen nicht in die Zimmer vom Hochhaus gegenüber und spielen unsere Instrumente draußen im Park. Es ist auch einfach um vieles schöner, in das allnächtliche Konzert der weit verstreuten Trompeter, Akkordeonspieler, Geiger, Saxophonisten, Gitarristen, Trommler und halben Kammerchöre an den Ufern mit einzustimmen.
Den schönsten Sonnenuntergang genießt man im Hudson-River-Park. So man vom vielstimmigen Joggergetrappel auf Asphalt, den ohrverstärkten Ipods und dem Fehlen der roten Flasche Wein abzusehen vermag. Eine Freude für das Auge sind die Chinesen am East River nahe Chinatown, wenn sie mit ihren früh- und spätsportlichen Betätigungen beschäftigt sind. Sie schwitzen nie, können aber ihre einzelnen Gliedmaßen beneidenswert gut verrenken und schwingen lassen. Wieviele Menschen sich wohl in den Schatten der Highwaybrücke des FDR schon ein blaues Auge eingefangen haben...
Der Mond sieht aus wie eine Zitronenscheibe. Und der Lärm im Subway ist enorm. Die einzigen Musikanten dort sind stoisch-besenkte Schlagzeuger und Percussionisten, die gegen den nächsteinfahrenden Zug ankämpfen. Wenn ich auf dem Pier bei Mondschein mit einem betagten Kubaner Salsa tanze, er trägt einen Anzug und ich ein rotes Kleid, dann finden das die andern schön.
Und wer hätte das gedacht. Central Park ist betoniert. Dort gibt es Ampeln, Strassen, Kreuzungen, Busrouten und Fahrradtaxis. Ich laufe und bin mir meines Körpers bewusst. Ich fülle ihn aus - meinen Kopf, meine Brust, meine Hände, Rumpf und Füsse. Von innen heraus überlasse ich mich dem Lauf der Stadt.
Ich frage mich, wer hier zu Hause ist und wer nur zu Besuch verweilt.
Ach. Macht hier doch einfach, was ihr wollt. Fühlt euch frei. Man läuft nicht Gefahr, jemandem wiederzubegegnen, bei dem man sich für Vergangenes schämen müsste. Tanzt wie ein Roboter, küsst euren Freund leidenschaftlich, schreit laut vor Freude, wenn die Ampel auf rot springt. Freie Individuen bevölkern dieses Land!

"New York...
Wie die Straßen mäandern,
Wie die Städte zerfallen,
Wie meine Hoffnung sich erhebt in diesen heiligen Hallen.
Wir heben einen Finger um zu sehen,
aus welcher Richtung der Wind weht.
Und der Wind steht gut,
denn es ist nicht zu spät.
Ich habe ein Gespür entwickelt,
wie gut es mir geht.
Oh, ein Kuss auf die Stirn
und danke für die Stunden,
man fühlt sich als habe man die Liebe erfunden.
Ich will dich treffen, wo es am schönsten war.
Ich will dich treffen in zehntausend Jahren
am Reservoir."
[Tomte]
Andere Favoriten zwischen den Blöcken: Arctic Monkeys - Fake Tales of San Francisco. Belle & Sebastian - Piazza, New York Catcher. Counting Crows- Colorblind. Death Cab for Cutie - Marching Bands of Manhattan; Coney Island; Transatlanticism. Ida - Georgia. Jason Mraz - Ms. Heather and Mr. Grey. Louise Attaque - Manhattan. Mason Jennings - United States Global Empire. Over the Rhine - Jesus in New Orleans. Rocky Votolato - Portland is Leaving; Tenessee Train Tracks. Simon & Garfunkel - The only living boy in New York. Sufjan Stevens - Jacksonville. The Decemberists - California One/Youth and Beauty Brigade. Tocotronic - Wir sind hier nicht in Seattle, Dirk.
Wollte ich nach San Francisco, ich könnte 3 1/2 Tage mit dem Zug fahren, einmal quer durchs ganze Land, oder sechs Stunden im silbernen Vogel fliegen. Bald ist Küstenwechsel.

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